Strategische Herleitung

Insgesamt betrachtet sieht sich Brandenburg mit ähnlichen Herausforderungen und Hemmnissen konfrontiert wie auch andere Bundesländer. Auch die Zahl der der brandenburgischen Unternehmen, die KI-Anwendungen einsetzen, ist mit 5,6 Prozent gegenüber dem Bundesdurchschnitt von 5,8 Prozent vor dem Hintergrund der von Klein- und Kleinstunternehmen geprägten brandenburgischen Wirtschaft eher positiv zu bewerten. Hinzu kommt die Nähe zu Berlin, die für viele nationale und internationale Akteure im Themenfeld KI-Anwendungen interessant ist und von brandenburgischen Unternehmen aktiv für die Anwerbung internationaler IT-Fachkräfte genutzt wird. Die Zusammenarbeit zwischen brandenburgischen und Berliner Akteuren in der Digitalwirtschaft ist in der Praxis und über verschiedene Organisationen bereits etabliert und sollte in Zukunft noch verstärkt für den KI-Einsatz genutzt werden, zum Beispiel auch um Investoren und Unternehmen nach Brandenburg zu holen.

Die Förderlandschaft zur Digitalisierung und damit KI-Nutzung im Land Brandenburg kann generell für kleine Unternehmen als gut angesehen werden und dürfte sich ohne große Schwierigkeiten spezifisch für KI-basierte Entwicklungen anpassen lassen. Die Herausforderung bei der Nutzung der Förderung liegt stärker bei den Unternehmen, die zum Teil der administrative Aufwand der Förderung abschreckt und deren Finanzkraft ein weiteres Problem darstellt.

Den unternehmensinternen Hemmnissen bei der Einführung von KI-Anwendungen kann mit einem Change-Management begegnet werden, das bei der Ausgestaltung von KI-Anwendungen Ansätze für die Gestaltung im Sinne von Guter Arbeit ermöglicht.

Eine weitere Chance in der brandenburgischen Förderlandschaft ist durch die Strukturfördermittel für die Lausitz gegeben. Hier sind bereits zwei Aspekte für eine KI-Strategie in der Lausitz angeschoben worden. Zum einen wird gerade das Lausitzer Zentrum Künstliche Intelligenz (LZKI) aufgebaut und kann künftig als weiterer Akteur dienen, um die Nutzung von KI-Anwendungen im Land Brandenburg voranzutreiben, zum anderen gibt es erste Investitionen in Rechenzentren, welche als Infrastruktur für die Nutzung von KI-Anwendungen eine wichtige Komponente sind.

Für den Einsatz von KI-Anwendungen in der Breite ist es notwendig, als praktisches Nahziel die Datenqualität und Digitalisierung der brandenburgischen Wirtschaftsakteure sicherzustellen. Als mittelfristiges Ziel gilt es, eine passfähige Infrastruktur zur Nutzung von KI-Technologien zu gewähren, auf der digital souverän Datenaustausch und Datenhandel getrieben werden kann und die den sich derzeit entwickelnden nationalen und europäischen Anforderungen entspricht.

Ein zentrales Hemmnis in brandenburgischen Unternehmen sind die generellen Vorbehalte gegenüber dem Einsatz von KI und die damit verknüpfte Zurückhaltung gegenüber digitalen und datengestützten Geschäftsmodellen. Hierzu ist eine flächendeckende Sensibilisierung der Unternehmen notwendig, die gekoppelt sein sollte mit einfach und direkt zu findenden Ansprechpartnern für fachliche oder Förderberatungen. Hierzu ist es notwendig, die vielen bereits existierenden Aktivitäten zu bündeln und zu orchestrieren. Die Erfahrungen dieser Aktivitäten sollten kontinuierlich überprüft und in die Landesstrategie für den Einsatz von KI eingebracht werden, um diese agil anzupassen, damit neben den Entwicklungen in der Forschungslandschaft auch der Entwicklung der unterschiedlich geprägten brandenburgischen Regionen Rechnung getragen werden kann.

 

Mittel- und langfristige Ziele

Für brandenburgische Unternehmen, die KI-basierte Anwendungen anbieten, ist das mittelfristige Ziel, über die Vernetzung mit der Berliner Digitalwirtschaft einen einfachen Zugang zu Entwicklungspartnern und Investoren auch auf internationaler Ebene zu öffnen. Gleichzeitig sollen Erprobungsmöglichkeiten durch Testfelder mit flexiblen Rahmenbedingungen wie Sondergenehmigungen geschaffen werden, um hierdurch Leuchtturmprojekte mit Strahlkraft in der Metropolregion Berlin-Brandenburg zu generieren. Als langfristiges Ziel kann über die Intensivierung dieser Aktivitäten die Metropolregion als „Start-up Center Europe“ etabliert werden.

Für die brandenburgischen Unternehmen, die KI-basierte Anwendungen einführen wollen, ist das mittelfristige Ziel eine durchgehende Betreuung und Vernetzung. Von der ersten Idee und Sensibilisierung bis zum Produktivbetrieb ist ein Kontakt zu gewähren, um auch bei den allgemeinen Hemmnissen und Risiken eine begleitende Unterstützung zur Risikominimierung zu geben. Mit umfassenden Beratungs- und Unterstützungsangeboten sowie mit speziell auf die Kleinstunternehmen abgestimmten Maßnahmen und Strukturen hat das Land Brandenburg dann die Chance, sich langfristig als Modellbundesland (Best Practice) für die Einführung von KI in einem Flächenland mit kleinteiliger Wirtschaftsstruktur zu etablieren.

Das dritte Ziel ist, den Strategieprozess zum KI-Einsatz für das Land Brandenburg durch die gewonnenen Erfahrungen kontinuierlich zu unterstützen, abzusichern und zu konkretisieren.

 

Vision und strategische Ziele

Als Vision ergibt sich für das Land Brandenburg ein Bild, das sich über sieben strategische Ziele beschreiben lässt, die nachfolgend ausformuliert sind.

Leistungsfähige digitale Infrastruktur für KI-Anwendungen bereitstellen

Es wird der Bund intensiv unterstützt, damit alle Unternehmen im Land Brandenburg die benötigte digitale Infrastruktur nutzen können, um einen wertschöpfenden Einsatz von KI zu ermöglichen und damit die Wettbewerbsfähigkeit der Brandenburger Unternehmen langfristig zu sichern. Ziele sind dabei eine leistungsfähige Breitbandinfrastruktur und eine Rechenzentrumsinfrastruktur konform zu den europäischen Standards der Datensouveränität, die klimaschonend und kostengünstig betrieben werden.

Brandenburg zur Vorreiter-Region für KI-Anwendungen entwickeln

Gemeinsam mit den Unternehmen wird im gesamten Land Brandenburg der Einsatz von KI-Anwendungen vorangetrieben. Hierzu werden die einmaligen geografischen Rahmenbedingungen im Land Brandenburg und in der Metropolregion Berlin-Brandenburg gezielt genutzt und regionale Schaufenster und Testfelder aufgebaut, die branchenspezifische Lösungen praxisnah erproben und präsentieren. Es werden Formate entwickelt, um mit nationalen, europäischen und anderen supranationalen Einrichtungen Innovationstechnologien der KI zu bearbeiten und für die regionale Wirtschaft nutzbar zu machen.

Brandenburgische KI-Akteure vernetzen

Es wird der Erfahrungsaustausch der brandenburgischen KI-Akteure gestärkt, um Synergieeffekte zu verstärken und den Weg für innovative KI-Anwendungen zu ebnen. Dabei wird die Gründung von brandenburgischen KI-Netzwerken unterstützt. Durch eine starke Vernetzung von Unternehmen mit Multiplikatoren und Netzwerken (z. B. GRW-gefördert) sollen vor allem Klein- und Kleinstunternehmen in die Lage versetzt werden, branchenspezifische KI-Anwendungen und ‑Geschäftsmodelle wertschöpfend zu realisieren. Hierfür werden die existierenden Einrichtungen für die Digitalisierung von Wirtschaft und Kommunen aktiv eingebunden.

KI-Implementierung entlang des gesamten Wertschöpfungsprozesses begleiten

Es werden Angebote entwickelt, mit denen KI-Anwendungen in der Breite der brandenburgischen Wirtschaft Einzug erhalten. Dazu sollen niedrigschwellige Angebote und Anlaufstellen vor allem für Klein- und Kleinstunternehmen geschaffen werden, die den Betrieben als zuverlässiger Partner zur Verfügung stehen. Mit beteiligungsorientierten Implementierungsprozessen in den Betrieben wird die Akzeptanz und Nachhaltigkeit gefördert werden.

Fachkräfte bilden, halten und gewinnen

Es wird sich dafür eingesetzt, dass in den Unternehmen des Landes eine Kultur des lebenslangen Lernens entsteht, die es ermöglicht, entsprechende Kompetenzentwicklung für die Beschäftigten zu leisten. Ferner wird sich dafür eingesetzt, dass entsprechende Weiterbildungsangebote insbesondere auch durch in Brandenburg angesiedelte Bildungsanbieter sowie Forschungs- und Transfereinrichtungen zur Verfügung gestellt, weiterentwickelt und gefördert werden. Es werden mit bereits vorhandenen Studiengängen und Ausbildungsangeboten im Land Brandenburg Fachkräfte ausgebildet. Weiterhin wird die Attraktivität der Metropolregion Berlin-Brandenburg für nationale und internationale Fachkräfte gezielt genutzt, um einen Beitrag zur Sicherung des Bedarfs an hochqualifizierten Fachkräften in den brandenburgischen Unternehmen zu leisten.

Entwicklung von bezahlbaren KI-Anwendungen gewährleisten

Es werden im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten des Landes die Förderbedingungen für die Entwicklung und den Einsatz von KI-Anwendungen deutlicher herausgestellt.

KI für Gute Arbeit

KI wird als Chance für Gute Arbeit genutzt, indem mit KI Arbeitsprozesse erleichtert, Arbeitsbelastungen abgebaut und Innovationen in der Arbeitsorganisation von Betrieben unterstützt werden. Die hierzu eingenommene Perspektive auf KI in Wirtschaft und Arbeitswelt ist nicht technikzentriert, sondern menschenzentriert.